Buch Koordinatentransformation (Geodäsie/Vermessung)

daniel, Mittwoch, 10.02.2010, 09:14 (vor 3421 Tagen)

Hallo!

Da ich in meinem Büro täglich in Kivid und Geograf Gebrauch von Koordinatentransformationen mache,
wollte ich fragen, ob denn jemand einen Buchtipp hat, wo unter anderem die Eigenschaften und Auswirkungen der verschiedenen Arten gegenüber gestellt wird: Also von Helmert über 6-Paramater bis 7-Parameter Transformationen.

Denn gerade im Katasterbereich müssen oft Bedingungen und innere Geometrien beibehalten werden.

Vielen Dank!

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Buch Koordinatentransformation

MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Mittwoch, 10.02.2010, 18:03 (vor 3421 Tagen) @ daniel

Hallo,

wenn ich Katasterbereich und Geograf lese, meinst Du also 2D-Transformationen.

Das Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen hat hierzu mal einen Zweiteiler mit dem Titel: "Transformation von Koordinaten und Höhen in der Landesvermessung" online bereitgestellt. Im ersten Teil, der die theoretischen Grundlagen abhandelte, wurden diese Eigenschaften kurz zusammengefasst.

Sechsparametertransformation (Affinumformung):

  • Geradlinigkeit bleibt erhalten,
  • Parallelität bleibt erhalten,
  • Teilungsverhältnis in geraden Linien bleibt erhalten,
  • Größenverhältnis von Flächen bleibt erhalten,
  • Größen der Winkel ändern sich,
  • Streckenlängen ändern sich,
  • Quadrate werden in Parallelogramme abgebildet,
  • Kreise werden in Ellipsen abgebildet.

Da dies das maximum an Parametern ist, verlieren anderen Transformationen zum Teil die o.g. Eigenschaften. Bei der 4 Parametertransformation (Helmert) sind es bspw.

  • Geradlinigkeit bleibt erhalten,
  • Parallelität bleibt erhalten,
  • Teilungsverhältnis in geraden Linien bleibt erhalten,
  • Größenverhältnis von Flächen bleibt erhalten,
  • Winkelgrößen bleiben erhalten,
  • Streckenlängen ändern sich proportional,
  • Quadrate werden in Quadrate abgebildet,
  • Kreise werden in Kreise abgebildet

Gerade weil Geometrien erhalten bleiben, ist diese Transformation eine der häufigsten im Vermessungswesen. Sollen auch die Abstände unverändert bleiben, so ist eine 3 Parametertransformation (1 Rotation und 2 Translationen) ohne Maßstab durchzuführen.

Schöne Grüße
Micha

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Koordinatentransformation, Helmert, Literatur, Affin

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daniel, Mittwoch, 10.02.2010, 18:20 (vor 3421 Tagen) @ MichaeL
bearbeitet von MichaeL, Mittwoch, 10.02.2010, 20:12

Hallo Micha,

herzlichen Dank für deine Antwort.
Durch deinen Tipp konnte ich ein wenig gezielter "googeln" und habe die beiden von dir erwähnten Schätze sogar gefunden:

Erster Teil:
http://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/organisation/abteilung07_produkte/raumbezug/bezugssystem_uebergaenge/trafo_1.pdf

Zweiter Teil:
http://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/organisation/abteilung07_produkte/raumbezug/bezugssystem_uebergaenge/trafo_2.pdf

Da habe ich für heute Abend ja interessante Lektüre!
Daniel

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MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Mittwoch, 10.02.2010, 20:14 (vor 3421 Tagen) @ daniel

Hallo,

keine Ursache! Ich hätte sie auch gern verlinkt aber konnte sie zumindest via google auf die schnelle nicht finden.

Bei weiteren Fragen stehen wir Dir gern zur Verfügung!

Gruß Micha

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Koordinatentransformation

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Helle @, Sonntag, 14.02.2010, 16:55 (vor 3417 Tagen) @ daniel

Hallo!

Zum Einstieg bin ich auf Hans Fröhlich - der versucht einfache Erklärungen zu finden - gestoßen. (Nur über desen Homepage zu bestellen) Eine Hilfe sind die Newsletter von Leica (System 1200) aus dem Jahre 2004 oder auch zu System 500. Gibt´s nur in Englisch- kostenfrei - auf dem Leica Geosystems Download Seiten.

Sind aber zum Verständnis echt empfehlenswert, auch wenn sie nur die Anwendung am Sensor abdecken.


Tschü`

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MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Montag, 15.02.2010, 07:47 (vor 3416 Tagen) @ Helle

Hallo Helle,

Newsletter von Leica (System 1200) aus dem Jahre 2004

Hast Du hierfür auch einen Link?

Micha

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Helle @, Montag, 15.02.2010, 09:12 (vor 3416 Tagen) @ MichaeL
bearbeitet von MichaeL, Montag, 15.02.2010, 10:37

Hi!

Ein Link zu den Leica Newslettern wäre

http://www.leica-geosystems.com/de/Downloads-Downloads-Suche_74590.htm?q=newsletter (Hier Suche dann noch eingrenzbar)

Ich hatte fehlende Newsletter zu System 1200 (Nr. 1 - 54 sind nun vollständig) auf einer Homepage in Kanada wenn ich mich recht erinnere aufgetrieben und alle zusammengetragen.

Die Newsletter zu System GPS 500 sind sicher auch noch für 1200 Benutzer lohnenswert in den grundlegenden Themen.

Beste Grüße aus dem Murtal!


Zu den Newslettern muss ich sagen: in Punkto Praxisbezug, Vertändlichkeit des theoretischen Hintergrundes mit das Beste was ich gefunden habe. Das Bemühen verstanden zu werden steht in den Newslettern ganz vorne und nicht das Bemühen "um G´scheit sein" - dabei bin ich ein großer Anhänger von Theoretischem Hintergrundwissen im Praxisbezug!

Ein Ingenieur mit dem Lieblingssatz "Das haben wir immer schon so gemacht" ist nicht wirklich einer sage ich mal... ganz o h n e heillosen und unkritischem Fortschrittsglauben.

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Helle @, Mittwoch, 17.02.2010, 09:47 (vor 3414 Tagen) @ MichaeL

Hi Michael!

Hier habe ich noch einen link zu den Leica - Newslettern System 1200 wo sie
k o m p l e t t versammelt sind (No 1 - 54)

Für KoordinatenTrafos sind insbesondere No. 9, 10, 11 und 41, 42, 43 hervorzuheben.

http://www.leica-geosystems.com/en/page_catalog.htm?cid=4660&page=3

Transformationen werden hier ausführlich im Zusammenhang von WGS84 (kartesisch und ellipsoidisch – zum WGS84 gehört ja auch ein Ellipsoid, das „WGS84 Ellipsoid“) auf Lokale Gitter oder Grundkoordinaten dargestellt, der Routine mit der sich GPS (WGS84 Koordinaten) in lokale Koordinaten (Gitterkoordinaten, „Theo“) überführen lassen und umgekehrt.

Für Übergänge in der Landesvermessung ist hier bloss die sehr anschauliche Erklärung der Problematik interessant, dargestellt wir das aber zum Einstieg sehr verständlich Beispiel bei Hans Fröhlich: Koordinaten Transformationen.

Zur Problematik wie sie historisch – durch die gegebenen und sich verändernden technischen Möglichkeiten – entstanden sind und auf welche bei Einbindung von Koordinaten in der Landesvermessung Rücksicht zu nehmen ist wäre dieser Link auf einen Schweizer Text sicherlich zu empfehlen:

http://www.swisstopo.admin.ch/internet/cadastre/de/home/docu/publication/P038.parsys.59276.downloadList.14874.DownloadFile.tmp/leitfadentransformationde.pdf

Die früheren GPS Newsletter (System 500, SkiPro das ist die Vorgänger Office Software von LeicaGeoOffice LGO) finden sich gesammelt nach Jahr in Auswahlkästchen, z.B.:

GPSNewsletters2003
Book of newsletters
auf der

http://www.leica-geosystems.com/en/Downloads-Downloads-Search_74590.htm?q=newsletter&page=2

Auch in diesen Newslettern findet sich theoretische Hintergrundinformation die für den Anwender von System 1200 hilfreich sein kann.

LeicaGeoOffice wurde zusammen mit System 1200 (GPS und "Theo";) 2004 herausgegeben und fasst die Funktionalität von SkiPro (GPS) LevelPro (Nivelliere) zusammen und ist mit den zurückliegenden Systemen GPS TPS usw., also z.B. 1100er usw. kompatibel. Ich kann also zum Beispiel auch für den 1100er Codelisten erstellen.

Zu Höhen- und Lagensystemen habe ich mir eben:

"Lage- und Höhensysteme in Deutschland" von Andreas Engler und Ulrich Münster bestellt und bin überzeugt das das Büchlein ebenso praxistauglich ist wie Lehrbuch VERMESSUNG Grundlagen und Band II Fachwissen. (Schütze, Engler, Weber)

Ist in Dresden bei http://www.sew-verlag.de/index_.php erschienen und als "ÖSI" darf ich sagen die "Ossis" sind beim fachlichen Darstellen immer noch die Besten!


Hier im Alpenland heißen die TOTALSTATIONEN (TerrestrialPositioningSystem TPS) übrigens immer noch liebevoll „Theo“ (Theodolit)

Die Abgrenzung zu "nicht totalen" die nur Winkel und keine Entfernungen messen konnten war ja wohl nur in der Übergangszeit aus verkaufstechnischen Gründen forciert. Bis sich ein Alpenländer umstellt ist jede Übergangszeit üblicherweise Geschichte und so erhält sich manches Liebgewonnenes. Heute weiß eh jeder, dass Entfernungen – außer bei Fluchtungen – mit gemessen werden mit dem "Theo".

Also Theo ist "total normal" – auch wenn er einen Namen trägt den heut kaum mehr wer hat und selten jemand mehr nach Lotsch fährt- auch nicht Theo (Lingen)

Besten Gruß vom Alpensüdrand

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Buch Koordinatentransformation

MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Mittwoch, 17.02.2010, 12:20 (vor 3414 Tagen) @ Helle

Hi,

das Script von Fröhlich kenne ich. Besser, weil hier auch die Rechnungen bzw. Formeln einheitlich sind, finde ich jedoch Bernhard Hofmann-Wellenhof, Gerhard Kienast, Herbert Lichtenegger: GPS in der Praxis, welches jedoch schwer zu bekommen sein wird. Es gibt hier noch eine engl. Fassung, die ich aber nicht kenne.

"Lage- und Höhensysteme in Deutschland" von Andreas Engler und Ulrich Münster

kenne ich nicht aber die beiden Lehrbücher zum Vermessungswesen hatte ich schon mal in der Hand.

Gruß Micha

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Tags:
Koordinatentransformation, Literatur

Buch Koordinatentransformation

daniel, Donnerstag, 18.02.2010, 13:59 (vor 3413 Tagen) @ MichaeL

Das Buch "Lage- und Höhensysteme in Deutschland" von Andreas Engler und Ulrich Münster habe ich hier und kann es als übersichtliche Zusammenstellung der Grundlagen (angefangen von den Projektionen Gauß-Krüger und UTM bis ETRS89 etc.) empfehlen. Allerdings geht das Buch nicht in die Tiefe. Nähere Erläuterungen zu Geoid, Quasigeoid etc. sucht man vergebens.

Für diese Problematik suche ich noch ein geeignetes Buch.

PS: Auf alle Fälle ein herzliches Dankeschön für den Tipp mit den Leica-Newsletters. Obwohl ich seit sage und schreibe 10 Jahren - angefangen mit dem 500er System - arbeite, hatte ich keinen blassen Schimmer, dass es so etwas gibt.
Kann man den denn abonnieren??

Viele Grüße, Daniel

Buch Koordinatentransformation

Helle @, Freitag, 19.02.2010, 18:26 (vor 3412 Tagen) @ daniel

Hallo Daniel!

Das Buch "Lage- und Höhensysteme in Deutschland" von Andreas Engler und Ulrich Münster habe ich gerade in Arbeit und auch schon festgestellt. Es geht nicht sehr in die Tiefe. Aber die Formulierungen sind griffig und die wesentlichen zusammenhänge werden im Großen und Ganzen sehr konsistent herausgestellt(soweit ich das beurteilen kann. Deshalb ist es lohnenswert finde ich - auch oder gerade wenn man sich bloß mit GIS (GeoInformatinsSystemen)oder als Bauingenieur da rein schnuppert.

Über weitere Literaturhinweise wäre auch ich dankbar - auch Zeitschriften-Texte oder Uni-Skripten aus dem Vermessungswesen!

Zu dem von Michael empfohlenen Buch

von Bernhard Hofmann-Wellenhof (Autor), Herbert Lichtenegger (Autor), Elmar Wasle, dass es nur noch auf Englisch gibt

GNSS - Global Navigation Satellite Systems: GPS, GLONASS, Galileo & more

habe ich leider nirgends ein ausführliches Inhaltsverzeichnis gefunden oder einen "Blick ins Buch" - der sonst manchmal verfügbar ist - gefunden.

Deswegen noch mal die Frage: wird die Koordinatenproblematik dort verständlich und umfassend behandelt? Zur Satellitengeodäsie dachte ich wäre ich mit

Vermessung und Ortung mit Satelliten: Globales Navigationssatellitensystem (GNSS) und andere satellitengestützte Navigationssysteme
von Manfred Bauer

erst einmal ausreichend versorgt?!

Kennt jemand die Bücher:

Plane and Geodetic Surveying

von Aylmer Johnson
und

GPS for Land Surveyors

von Jan Van Sickle

und wie sieht´s da mit Verständlichkeit und Praxisbezug aus?


Eine konkrete Frage noch - da oute ich mich wahrscheinlich wieder als Laien-Gemeter:

Wie ist das den jetzt mit dem "neuen" UTM Koordinaten. Die beziehen sich jetzt nicht mehr auf das Ellipsoid vom Hayford sondern auf GRS80 was ja irgendwie weitestgehend dem Ellipsoid welches dem WGS84 3D Cartesisch zu geordnet ist (also ein WGS84 Ellipsoid) entspricht. Realisiert wird das physisch auf der Erde durch diese ETRS Punkte und GNSS-Referenzstationen, oder?

Dieses Ellipsoid des UTM (neu)ist das auch länderspezifisch ein ans Geoid bestanschließendes Ellipsoid oder ist das nun geozentrisch gelagert? Das ist mir nicht klar geworden!

Bei diesem bestanschließenden Ellipsoid erwähnt Hans Fröhlich in "Koordinatensysteme und Koordinatentransformationen" ja, früher gab es sogar nur diese einzige Möglichkeit so vor zu gehen - "bestanzuschließen". Ohne Stellitengeodäsie gab es noch gar keine geozentrisch gelagerten mittlere Ellipsoide. Also war dieses "Bestanschließende" sowieso das Ergebnis das optimal erreichbar war weil ich ja irgendwie nur am Geoid unterwegs war und die Extraterrestrischen Beobachtungen anudazumal nicht auf den Massenschwerpunkt der Erde schließen ließen. Oder wie oder was?

Hat man dieses "Bestanschließende" nun aus projektionstechnischen Gründen beibehalten oder nicht - bzw. vielleicht wegen den Höhen die ja stark mit dem Geoid verbunden sind (orthonometrische Höhen). Spielte da die Projektion - also Lagekkoordinaten überhaupt eine Rolle?

Diese Höhen ziehen einem ja auch beständig den Nerv. Gebrauchshöhen - gibt´s die jetzt noch? Was sagt da die Praxis?

Es ist ein bisschen so wie in "Lage- und Höhensysteme in Deutschland" anfangs im Vorwort gesagt wird. Fragestellungen entstehen die wieder neue Fragen aufwerfen...

Wie ist das den mit dem Begriff geodätisches Datum - bezieht sich der immer auf ein geozentrisches Ellipsoid? Und ist das mit einer bestimmten Koordinatentransformation identisch? Die Länderspezifischen Koordinatessystem - modelle (LSKS bzw. CSCS) sind wohl kein Datum? Das Geoid-Modell bringt mir aus den WGS84 Höhen - den ellipsoidischen Höhen den Übergang zu orthonometrischen Höhen. Was macht dieses LSKS - brauch ich das in dem Zusammenhang auch?

Noch zu Daniels Frage und den Newsletter von Leica: Es scheint so zu sein dass diese eher unstetig erscheinen. Die zu System 1200 wurden mit der Systemeinführung gebracht und sind dann versiegt.

Wenn´s da aber was gibt was mir entgangen ist - für Hinweise bin ich echt dankbar. Diese Newsletter haben mich sehr viel weiter gebracht (auch im Englisch lesen...)

Deswegen auch die Frage oben zu den Englischsprachigen Büchern (ist das dann Geomatik?) und dem Praxisbezug? Weitere Tipps sind hocherwünscht.

Gruß vom Alpensüdrand (wo ich gestern und vorgestern erstmals in der Saison zwei Schitouren gemacht habe und recht erschöpft bin...)

Dazu habe ich mir übrigens:

Orientierung mit Karte, Kompaß, GPS von Wolfgang Linke gekauft. Sieht sehr solide und brauchbar aus. Da stehe ich aber auch noch an Anfang...

Helle

Buch Koordinatentransformation

Wallraff @, Samstag, 20.02.2010, 20:16 (vor 3411 Tagen) @ Helle

Hallo,

bin grade hier - aber dem Thread kann ich kaum folgen.
Die deutschen Quellen hätte ich auch empfohlen - sind zu einfach ?

Könnte nochmal nach dem Geoid schauen. Aber wahrscheinlich alles nicht tief genug ...

Danke für die Scheizer Transformationsanweisung, die 200 Seiten muss ich gleich mal ...

Grüße Wallraff

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MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Samstag, 20.02.2010, 21:39 (vor 3411 Tagen) @ Helle

Hallo,

von Bernhard Hofmann-Wellenhof...

Es ist nur ein kleines Heftchen aber mit drei Seiten ist mir das Inhaltsverzeichnis doch zu lang zum Abtippen. Ich habe das Buch günstig für 10 oder 15 Euro kürzlich gebracht gekauft und habe es bisher nicht bereut. Es ist eines der Bücher mit großem Praxisbezug, die ich habe.

Deswegen noch mal die Frage: wird die Koordinatenproblematik dort verständlich und umfassend behandelt?

Es wird gezeigt, wie man von einem System A nach B kommt und lieferte mir den Grundstein bei der Umsetzung zu GeoTra. Praxis tauglich, in meinen Augen!

Kennt jemand die Bücher:

Keines von den aufgezählten ist mir bekannt.

Wie ist das den jetzt mit dem "neuen" UTM Koordinaten. Die beziehen sich jetzt nicht mehr auf das Ellipsoid vom Hayford sondern auf GRS80 was ja irgendwie weitestgehend dem Ellipsoid welches dem WGS84 3D Cartesisch zu geordnet ist (also ein WGS84 Ellipsoid) entspricht.

Die UTM-Koordinaten beziehen sich auf das GRS80-Ellipsoid, ja. Die Parameter sind fast identisch mit dem Ellipsoid WGS84, sodass GPS-Daten quasi im selben System vorliegen und nicht mehr in ein anderes Datum überführt werden müssen. In GeoTra kannst Du zB zwischen den Ellipsoiden umschalten und siehst, wo sie sich unterscheiden.

[GRS80] ein ans Geoid bestanschließendes Ellipsoid oder ist das nun geozentrisch gelagert?

Da es für die gesamte Welt definiert ist, ist es lokal sicher nicht als "bestanschließendes" Ellipsod zu bezeichnen, wie dies bei Bessel oder Krassowski der Fall ist.

Ohne Stellitengeodäsie gab es noch gar keine geozentrisch gelagerten mittlere Ellipsoide.

Das schreibt er nicht. Er schreibt nur, dass diese erst durch GNSS für die Zwecke der LV nutzbar wurden. Aber wo und wie spielt das für Deinen oft erwähnten Praxisbezug eine Rolle?

Gebrauchshöhen - gibt´s die jetzt noch? Was sagt da die Praxis?

Ein Blick ins Newsarchiv: „Gebrauchshöhen“, erklärt Professor Knickmeyer, „werden in Deutschland nicht mehr als Meereshöhen sondern als „Normalhöhen“ bestimmt.

geodätisches Datum - bezieht sich der immer auf ein geozentrisches Ellipsoid?

Nein, das Potsdamer-Datum, welches Bessel als Referenzellipsoid nutzt, besitzt kein geozentrisches Ellipsoid.


Schöne Grüße
Micha

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Helle @, Sonntag, 21.02.2010, 19:00 (vor 3410 Tagen) @ MichaeL

Hallo Michael!

Vielen Dank! Antworten die mich weiterbringen.

Also wenn ich richtig verstanden habe - in Zukunft werden UTM Abbildungen bezogen auf e i n geozentrisch gelagertes Ellisoid vorliegen.

Das heißt Koordinatentrafos werden bei GPS Messungen - soweit sie sich nicht auf alte Daten beziehen müssen nicht mehr nötig sein. Ich rechne dann einfach nur noch um. Von den ellipsoidischen in die Projektion - am gleichen Ellipsoid im gleichen 3D Kartesisch.

Das Potsdamer Datum ist also nicht bloß "Datum" - sondern "geodätisches" Datum?

Die Feinheit "für die Zwecke der Landesvermessung" habe ich nun nachgelesen. Allerdings kann ich mir keine Vorstellung darüber machen wie ein geozentrisches Koordinatessystem ohne physische Festpunkte realisiert war. (also nicht bloß als gedankliches Modell)

Vermutlich irgendwie astronomisch oder so?!

"Bestanschließendes Ellipsoid" war nun also in der Vergangenheit doch rein messtechnisch gegeben und gar nicht so sehr ein zusätzliches Kalkül bezüglich Höhen oder so? Oder ist es eher so dass mit heutzutage verfügbaren und immer genaueren Geoidmodellen dieser Verzicht erst möglich wird bzw. fachlich zu vertreten ist? Das sehe ich noch nicht so klar. Explizit wird ja in der Grundlagenliteratur dazu nichts gesagt.

Für die Praxis genügt eigentlich wenn im System ein entsprechendes Koordinatensystem zur Verfügung gestellt ist und in den TPS Korrektionen bei den Geometrischen PPM automatisch gewählt ist. Dann ist man im Grunde alle Sorgen los bei Gebrauch des Theos.

Und am GPS ist es fast ähnlich wobei ich nur noch wissen muss ob ich eine Einschritt oder eine Zweischritt-Trafo verwende - ob also für die Aufgabe ein lokales Ellipsoid und eine Projektion bekannt ist oder nicht bevor ich mich über den oder die Passpunkte hermache.

Aber ein bisschen Bescheid wissen möchte man ja doch.

Schöne Grüße

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MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Sonntag, 21.02.2010, 22:56 (vor 3410 Tagen) @ Helle

Hallo,

Also wenn ich richtig verstanden habe - in Zukunft werden UTM Abbildungen bezogen auf e i n geozentrisch gelagertes Ellisoid vorliegen.

Grundsätzlich: Die Abbildung und das Ellipsoid sind nicht deterministisch miteinander verbunden. UTM-Koordinaten können sich also auch auf andere Ellipsoide beziehen - das geodätische Datum legt verbindlich fest, welches Ellipsoid und welche Abbildung zu verwenden ist.

In dem Fall, wo bspw. UTM und GRS80 definiert wurde, hast Du vollkommen recht.

Das heißt Koordinatentrafos werden bei GPS Messungen [...] nicht mehr nötig sein.

Eine Datumstransformation zur Integration entfällt, ja.

Das Potsdamer Datum ist also nicht bloß "Datum" - sondern "geodätisches" Datum?

Mir ist nicht bekannt, dass man hier einen Unterschied macht. Hast Du das irgendwo gelesen?

"Bestanschließendes Ellipsoid"...

Nun, der Vorteil eines globalen Systems liegt doch in der Einheitlichkeit der Koordinaten. Man muss sich also keine Gedanken machen, wo man ist und welche Definitionen gelten - sie sind einheitlich. Dieser Gedanke ist sicherlich nicht nur fachlich sondern auch politisch begründet. In Zeiten des kalten Kriegs wollte man sicher nicht Systeme des Klassenfeinds etablieren.

Micha

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Helle @, Montag, 22.02.2010, 09:26 (vor 3409 Tagen) @ MichaeL

Hi Michael!

Bezüglich des Zusatzes "geodätisch" bei Datum hatte ich irgendwie den Eindruck es sei erst mit Geoid, Ellipsoid und geozentrische Lagerung wirklich als Begriff ins Spiel gekommen in der Literatur. So wollte ich dem nachgehen.

Ein trigonometrisches Lage-Netz wie es vor GPS entstand war ja wohl immer nur lokal und regional begrenzt - bezog sich also auch in übergeordneten Einbindungen letztendlich nie auf den ganzen Globus (als einheitlichem Modell) und das Ellisoid war eben lokal bestanschließend.

Im Vermessungswesen werden die Begriffe und auch mathematischen Symbole nicht gerade ausgesprochen einheitlich verwendet habe ich so den Eindruck. Ein bisschen babylonische Sprachverwirrung für mich.

Begriffe tauchen unvermittelt auf ohne dass man sich die Mühe macht sie glossarisch ein- und abzugrenzen. Die Stichwortverzeichnisse finde ich in der Literatur durchgehend etwas ärgerlich. Egal ob ein Heribert Kahmen, Bertold Witte und Hubert Schmidt, Wolfgang Niemeier und einigen mehr. (Weiß jemand etwas über Literatur von Wolfgang Torge?)

Das fällt sicherlich weniger ins Gewicht wenn man das Fach irgendwo gelernt oder studiert hat - dann hat man vor Ort nach dem Vortrag nachgefragt und sich vergewissert (bei Studies oder Assistenten) - und überträgt dann die Begrifflichkeiten ganz automatisch ohne groß nachdenken zu müssen.

Als Quereinsteiger - der derzeit auch gar nicht als Geometer arbeitet - tut man sich da etwas schwerer und ist unsicherer. Auch wenn ich Gelegenheit hatte ein Jahr lang Rohdaten für Verformungsmessungen zu messen und auch auszuwerten. Aber die Software nimmt einem ja da schon die Punktzuordnung ab und Ausreißersuche geschah da mehr intuitiv als mit dem Hintergrund den ich mir dank einem weiteren Büchlein von Fröhlich (Ausgleichungen) inzwischen retrospektiv in Ansätzen aneignen konnte. Heute weiß ich wie teilweise falsch das sein konnte und dass die Strategie sehr wohl überlegt sein muss, größte Abweichungen (Residuen)noch nicht den Ausreißer lokalisieren.

Das wurde ja vor Ort mehr oder minder zurecht gebogen bis die Diagramme der Verformungen plausibel erschienen. Begriffe wie Normierte Verbessung kamen da in der Handhabe gar nicht vor!!


Für Hinweise über ein aktuelles Wörterbuch oder Literatur mit einem guten Glossar zur Geodäsie wäre ich dankbar.

seawass (lat. servus) aus den Ostalpen (global betrachtet)

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MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Montag, 22.02.2010, 12:34 (vor 3409 Tagen) @ Helle

Hallo,

das Ellisoid war eben lokal bestanschließend.

Nunja, lokal ist ein schwammiger Begriff. Bessel passt bspw. gut für Europa und wurde aus - in meinen Augen - recht großräumiger Vermessungen abgeleitet.

Das fällt sicherlich weniger ins Gewicht wenn man das Fach irgendwo gelernt oder studiert hat
Als Quereinsteiger [...] tut man sich da etwas schwerer und ist unsicherer.

Ich muss hier etwas schmunzeln. Das es nicht ganz einfach ist, zeigt Dir doch, dass das Studium oder die Ausbildung eine Berechtigung hat. Nichts gegen Dein Selbststudium aber wenn Du Dir unsicher bist, dann greife auf den dafür ausgebildeten ergo vorgesehenen Fachmann zurück - den Vermesser.

Das wurde ja vor Ort mehr oder minder zurecht gebogen bis die Diagramme der Verformungen plausibel erschienen.

Das bestärkt mich in meiner o.g. Aussage.

Für Hinweise über ein aktuelles Wörterbuch oder Literatur mit einem guten Glossar zur Geodäsie wäre ich dankbar.

Wir haben hier eine Reihe von Fachbüchern besprochen. Witte/Schmidt, den Du ja bereits genannt hast, fand ich im Übrigen sehr verständlich. Für die Ausgleichung würde ich auch immer Niemeier uneingeschränkt empfehlen, da mir die Art und Weise der Inhaltsvermittlung sehr gut gefällt und das Buch ein großes Spektrum abdeckt.

Gruß Micha

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MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Dienstag, 23.02.2010, 12:56 (vor 3408 Tagen) @ Helle

Hallo,

Begriffe tauchen unvermittelt auf ohne dass man sich die Mühe macht sie glossarisch ein- und abzugrenzen.

Ein Glossar, wobei das sicher nicht vollständig ist, findet sich bei dem VDV und auf Vermpedia. Vielleicht haben wir hier ja auch mal die Muße, eins zu erstellen...

Ansonsten finden sich zu einigen Deiner Bücher auch Rezensionen bei amazon.

Gruß Micha

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