Wie wird ein Kompaß einjustiert? (Allgemeines)

Werner45, Donnerstag, 04. Mai 2017, 07:47 (vor 166 Tagen)

Hallo liebes Forum!

Ich habe einen Sokkia Röhrenkompaß und einen Sokkia DT5 ohne Tragegriff.
Deshalb habe ich mit einen Halter dafür gebaut - aber wie wird der Kompaß einjustiert?

Die aktuelle Deklination kann ich ja bei den Instituten abfragen und nachts sehe ich den Polarstern. Aber wie bringe ich beides zusammen?

Für Ratschläge bin ich dankbar - Werner

Wie wird ein Kompaß einjustiert?

Eddi, Donnerstag, 04. Mai 2017, 10:55 (vor 166 Tagen) @ Werner45

Hallo,
in der Annahme, dass es sich um eine Röhrenbussole handelt und Du es auch geschafft hast, Sie parallel zur Zielachse zu montieren:
Du brauchst eine Seite, deren Richtungswinkel Du kennst bzw. berechnen kannst. Auf einem Endpunkt das Instrument aufbauen, die Bussole zum Einspielen bringen und die Horizontalrichtung auf Null setzen. Jetzt den anderen Punkt anzielen und die Horizontalrichtung ablesen. Die Differenz zum Sollrichtungswinkel enthält nun neben der Deklination bzw. Nadelabweichung kurzperiodische Störungen, äußere Einflüsse und den zufälligen Fehler der Messung. Aus der Differenz berechnest Du jetzt, welche Horizontalrichtung Du bei einspielender Bussole einstellen mußt. Beispiel:
Sollrichtungswinkel 100,00 gon
Ablesung (bei einspielender Bussole = 0,00 gon) -> 105,00 gon
korrigierte Einstellung -> -5,00 gon = 395 gon.
Ich hoffe, Du bist Dir aber über die Genauigkeit einer Bussole klar, bei äußerster Sorgfalt, idealen Bedingungen und häufigem Eichen wie eben beschrieben kommst Du vielleicht auf etwa 1' bis 2' = 0,02 gon bis 0,04 gon!
Viel Spass
Eddi

Wie wird ein Kompaß einjustiert?

Werner45, Donnerstag, 04. Mai 2017, 12:36 (vor 166 Tagen) @ Eddi

Danke erstmal, Eddi!

Genau für das parallele Montieren weiß ich nicht, ob ich es geschafft habe, ich hatte nur einen Anschlagwinkel am Kompaßgehäuse aus Plastik und den Griffbolzen am Theo angelegt. Deshalb meine Frage, ob es eine Möglichkeit gibt, die Feinjustage vorzunehmen. Sonst kann ich aber nur grob darüberpeilen.

Jetzt fällt mir ein, das geht vielleicht nachts. Polaris anpeilen, die aktuelle Deklination in gon umrechnen, einstellen und den Kompaß so befestigen, daß er dort einspielt. Oder habe ich da einen Denkfehler?

Gruß - Werner

P.S. Wieso 12:36, wir haben 18:36

Wie wird ein Kompaß einjustiert?

Eddi, Donnerstag, 04. Mai 2017, 15:15 (vor 165 Tagen) @ Werner45

Im Prinzip sollte es so klappen, es läuft ja auf das beschriebene Verfahren der Beobachtung eines bekannten Azimutes/ Richtungswinkels hinaus.
Ich weiß nur nicht, ob die Deklination alleine ausreicht (diese Deklination meintes Du also, nicht die magnetische)oder ob Du im nautischen Dreieck das Azimut aus Breite, Deklination und Zenitdistanz (oder Stundenwinkel) berechnen mußt, ist eine Frage der Genauigkeit!
Und, meine Uhr geht nicht falsch!

Eddi

Wie wird ein Kompaß einjustiert?

Werner45, Freitag, 05. Mai 2017, 01:03 (vor 165 Tagen) @ Eddi

Danke, jetzt ist alles klar - Werner

Wie wird ein Kompaß einjustiert?

Eddi, Freitag, 05. Mai 2017, 02:14 (vor 165 Tagen) @ Werner45

Hallo,
sollte mich freuen, wenn ich Dir helfen konnte :-)
Sehe ich das richtig, dass Du nicht aus der Vermessung kommst sondern ein Hobbyastronom bist, der sich einen Theodoliten für astronomische Beobachtungen zugelegt hat? Für diesen Fall noch folgende Hinweise:
Bei dem SOKKIA sollte sich auch Altgrad als Winkeleinheit einstellen lassen, dann brauchst Du die Umrechnerei in Gon nicht.
Es sollte ausreichen, wenn Fernrohr und Röhrenbussole augenscheinlich parallel sind (ein Ziel mit Fernrohr und Bussole anzielen).
Ja, und dann wie gesagt ein bekanntes Azimut nachmessen und die Richtungseinstellung bei einspielender Bussole so lange korrigieren, bis Du im Rahmen der Genauigkeit die Sollablesung erzielst.
Solltest Du noch weitere Fragen haben (ich mußte mich mal vor zig Jahren intensiv mit Azimutbestimmung aus Sonnenbeobachtungen beschäftigen ;-) : etwas-vermessen@gmx.de
Ansonsten noch viel Erfolg!
Eddi

Wie wird ein Kompaß einjustiert?

Werner45, Freitag, 05. Mai 2017, 04:13 (vor 165 Tagen) @ Eddi

Hallo Eddi!

Mein Status ist noch komplizierter. Ich bin Jahrgang 45 und demnach jetzt in Rente.
Vermessungstechnisch bin ich erblich vorbelastet, da mein Großvater bayerischer Regierungsoberbaurat war und auch einige Vermessungen in den Alpen vorgenommen hat. Von ihm habe ich noch einige alte Bücher, u.a. den Bauernfeind von 1869. Da kann ich nachlesen, wie man Fadenkreuze aus Spinnenfäden macht.
In seiner Werkstatt lernte ich die Holz- und Metallbearbeitung und auch den Ausbau des Dachbodens seines Hauses. Jede Schulferien verbrachte ich bei ihm.
Fernrohr und Mikroskop waren auch vorhanden.

Meine Interessen waren zunächst Radiotechnik (Röhren) und dann die Chemie, beides lief nebeneinander. Studiert habe ich dann nach einem exzellenten Praktikum bei Krupp Chemieingenieur. Meine Anstellung fand ich dann im Service-Außendienst bei einer großen amerikanischen Firma für instrumentielle Analytik. Hier halfen mir meine bisherigen Kenntnisse in Maschinenbau, Elektronik und Chemie. Die firmeninterne Ausbildung war sehr gut, es kam noch Optik (Infrarot bis UV, Reinigung und Justage), Digitalelektronik sowie Computerhardware und Software hinzu. Später dann Massenspektrometrie incl. Sender- und Vakuumtechnik. Viel Interessantes lernte ich auch noch bei unseren Kunden (Industrie und Uni). Das lief alles bestens, bis das Mamagement den "Shareholder Value" hochhängte. Jetzt wurden fast alle Niederlassungen sowie die deutsche Fabrik geschlossen und die Angestellten entsorgt. Gut, daß es nicht mehr weit zur Rente war, andere traf es härter.

Zusammen mit meinem Bruder erbte ich unseren Familienbesitz und jetzt folgte die Altbau-Sanierung. Ein Wild-Theo aus Militärbeständen half bei Neuvermessen. Die Werkstatt wurde erweitert (Drehbank und Fräsmaschine) und intensiv genutzt.

Dann kam noch ebay auf, da waren schöne alte Theodolite und Nivelliere (anfangs) günstig zu bekommen und Theo010, Theo020, Dahlta010 stehen jetzt hier und warten auf Reinigung und Restaurierung. Ein SokkiaDT5 habe ich repariert, das ist im Einsatz.
An Nivellieren ist ein Ni2 gebrauchsfähig, Breithaupte und Fennels müssen noch überholt werden.
Mein bestes Schnäppchen war aber der Deumlich, habe drei Ausgaben davon.
Leider sind auch im web keine Reparaturunterlagen mehr zu finden, so daß ich bei der Restaurierung auf meinen Erfahrungsschatz angewiesen bin.

Die Astronomie habe ich an den Nagel gehängt. Die Lichtverschmutzung ist zu hoch, der Himmel ist nachts nicht schwarz, sondern grau und man kann die Umrisse der Berge erkennen. Früher konnte ich die Milchstraße kontrastscharf bewundern, heute ist sie neblig. Sogar in 1200 m Höhe ist es nicht viel besser, im Winter stören dazu die Schipisten-Flutlichter gewaltig. Alle größeren Orte kann man am Halo lokalisierern, aber die will ich gar nicht sehen. Es gibt zu viele Straßenlaternen und mit den Leds wird es noch schlimmer.
Bin jetzt bei der Mikroskopie gelandet, das geht bei jedem Wetter.

Gruß - Werner

Wie wird ein Kompaß einjustiert?

Eddi, Freitag, 05. Mai 2017, 08:23 (vor 165 Tagen) @ Werner45

Hallo,
falls Du mal Lust auf einen intensiven Rentnerplausch hast, wie gesagt:
etwas-vermessen@gmx.de ;-)
Eddi

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