Standpunkt einmessen; (Geodäsie/Vermessung)

feldgeschworener, Dienstag, 23.01.2018, 17:26 (vor 320 Tagen)
bearbeitet von MichaeL, Mittwoch, 24.01.2018, 09:00

Hallo,

eine Laienfrage zum Einsatz eines Tachymeters :

Wie misst man irgendwo im Gelände (ohne vorhandenen Vermessungspunkt in den Nähe) am besten den Standort des Basispunktes für die Vermessung möglichst genau ein und welche Genauigkeit ist dabei typisch erreichbar ?
(GPS ist wohl nicht genau genaug bzw. scheidet auch aus Kostengründen aus).

Und noch eine Anschlussfrage : Welche (gebrauchten, älteren, einigermasen kostengünstigen) Tachymeter wären für einfache Vermessungen (und Übungen) zu empfehlen.
Ein Datentransfer von / zu einem Datenträger oder Rechner (Laptop, Tablet, etc) sollte möglich sein.
In einem Nachbarthread wurde ja z.B. schon der Zeiss Elta R55 genannt, der für unter 1000 Euro gebraucht zu bekommen ist, wäre so ein Gerät bracuhbar ?

Danke, Stefan

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MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Dienstag, 23.01.2018, 21:01 (vor 320 Tagen) @ feldgeschworener

Hallo,

Wie misst man irgendwo im Gelände (ohne vorhandenen Vermessungspunkt in den Nähe)

Instrument aufbauen und einfach los messen.

Viele Grüße
Micha

--
applied-geodesy.org - OpenSource Least-Squares Adjustment Software for Geodetic Sciences

Standpunkt einmessen;

feldgeschworener, Dienstag, 23.01.2018, 22:09 (vor 320 Tagen) @ MichaeL

Ach soooooo ...
ja wer hätte das gedacht ... ;-)

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Eddi, Mittwoch, 24.01.2018, 10:55 (vor 320 Tagen) @ feldgeschworener

Hallo,
ich glaube, Micha wollte Dir damit folgendes klarmachen:
Wenn Du keinerlei Anschlusspunkte hast, kannst Du auch nur in Bezug auf Deinen Instrumentenstandpunkt messen!
Meinst Du damit aber, wie Du mit weit entfernten Anschlusspunkten diesen Bezug herstellen kannst, solltest Du zu einem der gängigen Standardwerke über Vermessungstechnik greifen, denn genau das ist das, was Vermessungstechniker und -ingenieure u.a. so ca. 3 bis 5 Jahre beschäftigt.
Auch Deine Frage nach einem geeignetem Gebrauchtgerät kannst nur Du beantworten, nachdem Du weißt, was Du damit machen willst!
Insoweit erinnert Dein Anliegen einer Anfrage eines Laien an den Wetterdienst, wie Du ohne Ausbildung das Wetter für die nächsten 3 Wochen ganz genau vorhersagen kannst :surprised:
Ich weiß auch nicht, warum in den letzten Jahren immer mehr Leute der Meinung sind, das Geodäsie was ganz Einfaches ist!

In diesem Sinne viele Grüße von

Eddi

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feldgeschworener, Mittwoch, 24.01.2018, 12:43 (vor 319 Tagen) @ Eddi

@Eddi :
Danke für die konstruktive Antwort.
Welche Genauigkeit ist beim Einmessen des Basis-Standortes von weit entfernten Anschlusspunkten in der Praxis möglich ? (gehen wir mal davon aus, die sind exakt vermessen und bekannt)
Und welche Genauigkeit wäre aktuell mit den üblichen GNSS-Empfängern drin ?

Es geht im wesentlichen um den Einsatz im Landschaftsbau und Naturschutz (Vermessen von Flächen, Auspflocken von Standorten für Pflanzungen, auch mal Erfassung bzw. Auffinden von Grenzpunkten etc.)

Die Frage nach einem geeigneten einfacheren (gebrauchten) Tachymeter dazu ist noch aktuell.

Standpunkt einmessen;

Eddi, Mittwoch, 24.01.2018, 13:39 (vor 319 Tagen) @ feldgeschworener

Also gut, ich versuche es mal im Groben:
Genauigkeit mit elektronischen Tachymeter im Bereich bis etwa ein, zwei Kilometer mit professionellem Aufwand bis in den mm- Bereich, mit relativ einfachen Methoden im cm- Bereich.
Normale GPS- Empfäger (z.B. Navi) 3-5 m, geodätische Empfänger je nach Technologie und Beobachtungszeit von 2-3 cm bis in den mm- Bereich.
Das Problem bei gebrauchten Tachymetern besteht vorallem im notwendigen Zubehör, Du brauchst ja auch Prismen, Stromversorgung, Datenverbindung usw., sowie dem notwendigen Service. Und das könnte im Preisbereich von um die 1000 € dünn werden.
Das soweit, ich bleibe aber dabei, dass Du ohne intensive Schulung (in welcher Form auch immer) nicht all zu weit kommen wirst:-( :-(

Eddi

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philipp ⌂ @, Glinde, Mittwoch, 24.01.2018, 20:43 (vor 319 Tagen) @ Eddi

Also Michas Antwort mag ironisch klingen - sie ist aber zu 100% richtig!

Wenn du keine bekannten Punkte in der Nähe hast misst du mit einem Tachymeter "örtlich", d.h. mit einem "Phantasiekoordinatensystem" mit frei wählbaren bzw. zufällig generierten Koordinaten.

Und dazu stellst du eben das Gerät auf und misst einfach los!

Wie willst du ohne bekannte Punkte in der Nähe auch einen Bezug deines Gerätestandpunktes zu irgendwelchen bekannten Punkten herstellen? :confused:

Mit GPS dagegen bekommst du die "echten" Koordinaten - und das zentimetergenau (natürlich nur mit den in der Geodäsie üblichen Korrekturdiensten). Gerade auch in Anbetracht der zuletzt geäußerten Anwendungen (Vermessen von Flächen, Auspflocken von Standorten für Pflanzungen, etc.) ist das prima geeignet.

Die Nachteile: GPS hat nicht überall geeigneten Empfang (z.B. nahe an Bäumen) - und der Preis geht sicherlich einiges über 1.000 € hinaus...

Standpunkt einmessen;

feldgeschworener, Mittwoch, 24.01.2018, 21:08 (vor 319 Tagen) @ philipp

Ich gehe eigentlich davon aus, dass es im Umfeld jeweils Vermessungspunkte gibt, die zum Einmessen verwendet werden können.
Dann fällt die Notwendigkeit des GNSS-Gerätes chon mal weg und die entsprechenden Kosten gehen gegen 0.

Gibt es eigentlich eine Möglichkeit, für einen Standort die im Umfeld vorhandenen Vermessungspunkte zu ermitteln und zu bekommen (wenn ev. auch gegen eine Gebühr) oder ist das in jedem Bundesland anders ?
Für mich wäre Bayern relevant.

Standpunkt einmessen;

Eddi, Donnerstag, 25.01.2018, 09:55 (vor 319 Tagen) @ feldgeschworener

Hallo,
sicherlich gibt es diese Festpunkte, aber dessen Dichte wird immer dünner, da es durch GPS nicht mehr so benötigt wird.
Ansprechpartner wäre für Dich ersteinmal das zuständige Kataster- und Vermessungsamt oder das Landesvermessungsamt (Internetauftritt!) oder wie das bei Euch heißen mag;-)
Falls für den Anschluss dm- Genauigkeit reichen sollte, käme noch die Entnahme von sogenannten Passpunkten aus Google- Earth in Frage.....

Gruß

Eddi

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philipp ⌂ @, Glinde, Donnerstag, 25.01.2018, 21:01 (vor 318 Tagen) @ feldgeschworener

Ich gehe eigentlich davon aus, dass es im Umfeld jeweils Vermessungspunkte gibt, die zum Einmessen verwendet werden können.

Ja watt denn nu? In deinem Ausgangspost schriebst du noch von nicht vorhandenen Vermessungspunkten in der Nähe.

Und auch eventuell doch vorhandene Punkte, die du aber nicht kennst, sind für dich dann ja letztlich "nicht vorhanden"...

Koordinaten bekommst du in der Tat im örtlichen Vermessungsamt - oftmals sogar kostenlos über die dazugehörigen Geoportale. In Hamburg z.B. sind dort alle Höhenbolzen dargestellt und deren exakte Höhen auch kostenlos abrufbar. Zum Nivellieren in Hamburg muss man also kein Geld ausgeben - zumindest, was die Anschlusshöhen angeht! ;-)
(Lagekoordinaten gibt's auch - die sind aber leider recht "ungepflegt" und somit nur bedingt nutzbar)

Wie das nun in Bayern ist...?

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dias, Vogtland, Freitag, 26.01.2018, 14:43 (vor 317 Tagen) @ philipp

Hallo Stefan,

um an einem beliebigen Ort Punkte mit Koordinaten zu bekommen gäbe es noch eine
weitere Möglichkeit:

Suche dir irgendein Vermessungsbüro in der Nähe (wegen der Anfahrtskosten) und lasse dir
von denen mittel GPS/GNSS ein paar Festpunkte vor Ort bestimmen bzw. an günstigen Stellen vermarken.
Das sollte nicht die Welt kosten, und steht in keinem Verhältnis zum Anschaffen eines eigenen
GNSS-Geräts, zumal wenn es nur gelegentlich genutzt wird.


Mit diesen Punkten kannst du dann prima mit einem Tachy deine weiteren Messaufgaben erledigen.
Und du kannst dir ziemlich sicher sein im richtigen Koordinatensystem zu arbeiten, und auch mit
der geforderten Genauigkeit.

Voraussetzung ist natürlich, dass in deinem Messgebiet ausreichender Satellitenempfang usw. ist, aber
das ist ja immer so... Ansonsten muss man sich halt weiter weg Punkte machen und mittels Tachy übertragen.

Wegen eines älteren Tachymeters:

Ich habe lange Zeit für private Zwecke mit einem Leica / Wild TC1010 gemessen.
Ist zwar schon ein älteres Modell, aber ein echt gutes Gerät!

Nachteile:
- kann nicht reflektorlos messen (mittels Laser), misst aber auch gut auf Reflexmarken
- die Speicherkarten (REC-Modul) sind kaum mehr erhältlich, und wenn astronomisch teuer
- die REC-Module enthalten eine Batterie, die ein paar Jahre hält, aber
dann kompliziert ersetzt werden muss
- das Datenhandling bzw. die Dateistruktur (GSI) ist gewöhnungsbedürftig bzw. veraltet,
aber mit etwas gutem Willen kommt man damit zurecht
- für die Datenübertragung vom REC-Modul braucht man ein extra Lesegerät (GIF10 oder GIF12),
dieses hat noch eine serielle Schnittstelle


Vorteile:
- sehr robust und "unverwüstlich"
- gute Messgenauigkeit (1 mgon / 3mm )
- hohe Reichweite auf Standartprisma
- nach Einarbeitung relativ einfache Handhabung


Der TC1010 ist schon öfters unter 1000 € in diversen Auktionen verkauft worden, je nach Zubehör und Zustand.
Es ist trotz des Alters immer noch ein prima Gerät, wenn man das mit dem REC-Modul geklärt hat.
Man kann zwar auch ohne die Speicherkarte Winkel und Strecken messen, aber dann keine Programme nutzen
oder Punkte speichern usw.

Auch der noch ältere Wild TC1600 oder TC1610 ist manchmal für unter 500 € erhältlich. Auch mit
diesen Geräten kann man natürlich noch prima messen, auch sehr genau. Aber auch hier gelten
dieselben Einschränkungen/Nachteile wie oben.

Man muss halt wissen was man will und braucht...


Viele Grüße!
Matthias

Standpunkt einmessen

feldgeschworener, Sonntag, 28.01.2018, 17:20 (vor 315 Tagen) @ dias

Danke für die Tips.

Wie sind eigentlich Nikon-Geräte einzuschätzen, z.B. der Nikon DTM-330 ?

Standpunkt einmessen

Eddi, Montag, 29.01.2018, 09:56 (vor 315 Tagen) @ feldgeschworener

Hallo,
ich befürchte, zu NIKON- Geräten wird Dir hier kaum einer was sagen können, da sie bei Vermessern wenig im Einsatz sind, die benutzen eher Leica/Wild, Trimble/Geodimeter/Zeiss und Topcon/Sokkia.
Zum Anderen glaube ich, dass für Deine Zwecke so gut wie jede Totalstation geeignet ist, solange Du das Zubehör und den weiteren Service abgesichert bekommst und sie in Deinen Preisrahmen fällt!

Eddi

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