Nivellement in geneigtem Gelände (Geodäsie/Vermessung)

Maik, Samstag, 17.02.2018, 17:30 (vor 97 Tagen)

Hallo, vielleicht kann mir jemand Helfen.
Ist für ein Nivellement, im geneigtem Gelände, mit einer geforderten Genauigkeit von
<=1mm/km es sinnvoller ein Doppelniv. r-v durchzuführen oder doch lieber ein Parallelniv. r-v-v-r (nur Hinweg) anzuwenden?
Mir wurde gesagt, das bei einem Niv. im geneigtem Gelände, mit einer solchen Genauigkeitsforderung, ein DN r-v anzuwenden sei.


Danke

Nivellement in geneigtem Gelände

derMoeller @, Samstag, 17.02.2018, 19:52 (vor 97 Tagen) @ Maik

Kommt auch ein bisschen drauf an welche Möglichkeiten du hast. Beim RVVR-Verfahren bräuchtest du Wendelatten oder Frösche mit zwei Zapfen.
Bei der Genauigkeitsanforderung würde ich immer RVVR machen. Du hast eine direkte Kontrolle und kannst jeden Wechselpunkt für sich mitteln. Beim Doppel Niv RV hast du nur am Schluß eine Kontrolle, aber auch nur dann wenn der Endpunkt bereits bekannt ist. Solltest du ein Nivellement ohne bekannten Abschlußpunkt machen müssen, hast du nur beim RVVR Verfahren eine abgesicherte gute Kontrolle.

Zum Schluß: Mir erschließt sich sogar nicht warum im "geneigten Gelände" ein Doppel-RV besser sein soll als ein RVVR. Vielleicht kann da mal jemand von den was schlaues zu sagen.

Nivellement in geneigtem Gelände

rafl, Samstag, 17.02.2018, 22:41 (vor 97 Tagen) @ derMoeller

Kommt auch ein bisschen drauf an welche Möglichkeiten du hast. Beim RVVR-Verfahren bräuchtest du Wendelatten oder Frösche mit zwei Zapfen.

Das ist falsch. Man kann auch mit normalen Fröschen mit einem Zapfen und Latten mit nur einer Teilung ein RVVR-Nivellement durchführen. Dann sollte als Kontrolle auf jedem Standpunkt halt herauskommen, dass R1-V1 = R2-V2 ist.

Das Verfahren RVVR soll eigentlich hauptsächlich dazu dienen, Einsinkeffekte zu minimieren. Nebenbei habe ich natürlich auch noch eine Kontrolle meiner Ablesungen und eine leichte Genauigkeitssteigerung durch die Doppelmessung. Dadurch, dass die Messungen stark korreliert sind, kann man natürlich nicht alle möglichen Fehler aufdecken (z.B. wenn die Latte nicht richtig aufgesetzt wird).

Was soll denn ein Doppel Niv RV sein?
Ein Niv mit einem Frosch mit zwei Zapfen oder ein Nivellement mit einem normalen Frosch im Hin- und Rückweg? Bei hohen Genauigkeitsforderungen würde ich immer Hin- und Rückweg messen.

Bei der Genauigkeitsanforderung würde ich immer RVVR machen. Du hast eine direkte Kontrolle und kannst jeden Wechselpunkt für sich mitteln. Beim Doppel Niv RV hast du nur am Schluß eine Kontrolle, aber auch nur dann wenn der Endpunkt bereits bekannt ist. Solltest du ein Nivellement ohne bekannten Abschlußpunkt machen müssen, hast du nur beim RVVR Verfahren eine abgesicherte gute Kontrolle.

Bei dem Nivellement mit zwei Zapfen habe ich auch ohne bekannten Endpunkt am Schluss eine Kontrolle. Der Höhenunterschied über den niedrigeren Zapfen muss gleich dem Höhenunterschied über den höheren Zapfen sein.


Zum Schluß: Mir erschließt sich sogar nicht warum im "geneigten Gelände" ein Doppel-RV besser sein soll als ein RVVR. Vielleicht kann da mal jemand von den was schlaues zu sagen.

Prinzipiell gibt es keine Unterschiede zwischen Nivellement im ebenen und geneigten Gelände. In steilerem Gelände habe ich i.d.R. mehr Standpunkte, da meine Zielweiten kürzer sind. Das spricht eher für die Methode RVVR, um die Einsinkeffekte pro Standpunkt zu minimieren. Im steileren Gelände habe ich größere Höhenunterschiede und muss daher mehr Sorgfalt auf meinen Lattenmaßstab legen, da der sich proportional zum Höhenunterschied auswirkt. Das hat aber nichts mit dem Messverfahren zu tun.

Da bei den heutzutage verwendeten Digitalnivellieren die Messungen deutlich schneller gehen als bei den analogen Nivellieren, ist das Problem mit den Einsinkeffekten nicht mehr so groß. Ich messe daher immer nur RV (weil es deutlich schneller geht und ich nur eine Latte (und nur einen Messgehilfen) brauche), dafür aber im Hin- und Rückweg. Der Hin- und Rückweg ist deshalb wichtig, weil dadurch auch noch andere Effekte herausfallen bzw. reduziert werden.

Rafl

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Nivellement in geneigtem Gelände

MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Montag, 19.02.2018, 09:10 (vor 95 Tagen) @ Maik

Hallo Maik,

mit einer geforderten Genauigkeit von <=1mm/km

Diese Angabe bezieht sich bereits auf einen Kilometer Doppelnivellement. Das Messen von RVVR (oder der alternierende Variante) nur im Hinweg ist kein Doppelnivellement und würde Deine Anforderungen gar nicht erfüllen.

Mir wurde gesagt, das bei einem Niv. im geneigtem Gelände, mit einer solchen Genauigkeitsforderung, ein DN r-v anzuwenden sei.

Wir nutzen gerade im extrem bewegten Gelände das RVVR als Doppelnivelement. Durch das RVVR sollen lokale Unsicherheiten minimiert werden, siehe hierzu die Hinweise von rafl, und durch das Doppelnivelement minimieren wir auch die globale Unsicherheit durch die unabhängige und redundante Beobachtung. Ferner Verflechten wir die Schleifen untereinander überlappend.

In der Auswertung berücksichtigen wir den Umstand, dass die Höhenübertragung am Hang stattfand, indem wir die Anzahl der Aufstellungen (Wechselpunkte) miteinbeziehen in die Analyse.

Viele Grüße
Micha

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applied-geodesy.org - OpenSource Least-Squares Adjustment Software for Geodetic Sciences

Nivellement in geneigtem Gelände

Maik, Montag, 19.02.2018, 22:08 (vor 95 Tagen) @ MichaeL

Vielen Dank an alle.
Der Nebel, hat sich durch eure Hilfe gelichtet :-)

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