Theodolite und Basislatten (Geodäsie/Vermessung)

Felix Gabriel, Tuesday, 07.12.2021, 10:44 (vor 297 Tagen)

Guten Tag liebe Geodätengemeinde,

ich studiere Geodäsie in Österreich und interessiere mich wahnsinnig fürs analoge Vermessen. Hierfür habe ich noch alte Zielmarken, Basislatten für die Distanzmessung usw...

Nun hätte ich dennoch ein paar Fragen an die Praktiker, da ich meine Schätze gern in der Praxis verwenden würde:

-) Ich habe einen neuwertigen Wild RDS - dieser hat eine Standardabweichung von 10cc (1mgon). Wofür kann ich diesen ohne Bedenken zwecks der Genauigkeit einsetzen? Geht die Katastervermessung mit diesem Gerät? Ich habe mich wahrlich ein wenig in das Gerät verschaut - ich würde es wahnsinnig gern verwenden.
Bei uns im Dorf wurde der Wetterturm restauriert, dessen Kreuz natürlich ein Festpunkt im Kataster ist. Könnte ich dieses zum Beispiel mit dem RDS neu einmessen, oder ist er dafür zu ungenau?

-) Der RDS hat ja keinen Kompensator, sondern so eine Versicherungslibelle für die genaue Ablesung des Vertikalwinkels. Muss ich diese für jedes Ziel genau einspielen? Oder bloß am Beginn der Vermessung?

-) Bis zu welcher maximalen Distanz empfiehlt es sich mit den Basislatten zu messen, auf dass ich noch eine gute Genauigkeit hinbekomme?

Vielen lieben Dank im Voraus!

Theodolite und Basislatten

Eddi, Tuesday, 07.12.2021, 16:56 (vor 297 Tagen) @ Felix Gabriel

Hallo,

toll, das Du Dich für analoge Vermessung begeistern kannst!
Zu Deinen Fragen:
Ich kenne zwar den RDS nicht, laut Literatur sollte er aber dem DAHLTA ähneln und auf den bezieht sich das nun folgende:
Aus meinen Erfahrungen kann man an einem Skalenmikroskop maximal die 2 mgon schätzen, für die 1 mgon brauchst Du also schon ein paar Vollsätze. Außerdem wirst Du ja viele Messungen nur in einer Fernrohrlage machen wollen und da ist selbst bei sorgfältiger Prüfung und Justierung eher bei 5 mgon Schluß. Den Rest kannst Du Dir nach der Bogenformel selbst ausrechnen. Auf 100 m sind
1 mgon 1,6 mm
2 mgon 3,1 mm
5 mgon 7,9 mm.
Da der RDS ein Diagrammtachymeter mit dm- Streckengenauigkeit ist, wirst Du diese kaum nutzen können, verbleibt nur ein Einsatz als Theodolit mittlerer Genauigkeit :-(
Und ja, wenn Du Zenitwinkel messen willst oder Höhenunterschiede direkt am Diagramm ablesen willst, musst Du die Höhenindexlibelle jedesmal vorher einspielen!
Und nochmal, vor einem ernsthaften Einsatz solltest Du das gute Stück gründlich prüfen und justieren!
Zur BALA:
Suche mal hier im Forum nach diesem Stichwort, da gab es schon mal eine breitere Diskussion. Ein Problem ist schon die Bestimmung der wahren Länge der BALA und es geht weiter mit einem Theodoliten, der eine Winkelmessgenauigkeit von 0,2 bis 0,3 mgon liefert, also entweder ein Sekundentheo oder einer mit Repetitionsklemme.
Die Streckenmessgenauigkeit mit Basis am Ende liegt dann bei:
100 m 24 mm
50 m 6 mm
25 m 1,5 mm
20 m 1 mm
10 m 0,25 mm.

So, nun viel Spass beim staubwischen ;-)

Eddi

Theodolite und Basislatten

Felix Gabriel, Tuesday, 07.12.2021, 17:18 (vor 297 Tagen) @ Eddi

Servus Eddi,

vielen lieben Dank für deine Antwort. Ja - das habe ich mir fast gedacht. Die Tachymeterlatten habe ich eh nicht mehr, ich hätte ihn also einfach nur für Winkelmessungen verwendet, dies selbstverständlich mit mehreren Sätzen. Er gleicht, was ich weiß, vom Typus her dem Wild T16 - womit Du mit der mittleren Genauigkeit Recht hast.
Also das mit dem Einmessen des Turmkreuzes werde ich damit dann wohl eher sein lassen.

Ich hätte zwar noch einen Wild T2 (Sekundentheodolit), aber dessen Glaskreise sind verunreinigt und der Mikrometertrieb geht falsch. Ich kenne auch niemanden, der mir dieses Gerät reparieren könnte...
Vielleicht finde ich eines Tages ein passendes Gerät im guten Zustand. Ein T3 wäre sehr lässig.

Und zur Basislatte - das heißt, dass ich die Strecken einfach aufteilen werde, um mich damit einmal ein bisserl zu spielen. Auf das freu ich mich schon.

Ich muss gestehen, dass ich zufällig auf dieses Forum gestoßen, allerdings aber jetzt schon wahnsinnig begeistert bin.

Felix

Theodolite und Basislatten

Eddi, Tuesday, 07.12.2021, 20:30 (vor 297 Tagen) @ Felix Gabriel

Ein Servus zurück!
Sieh es mal so, Du hast einen sehr guten Skalentheo von einer legendären Firma! Und warum solltest Du damit nicht auch den Hochpunkt bestimmen können? Es kommt nur auf den Aufwand und die zu erzielende Genauigkeit an......
Schade nur um den T2, und ja, der T3 wäre schon der Hammer! Aber wenn ich so die Preise bei Ebay sehe :-(
Das mit der Streckenaufteilung bei BALA- Messungen ist schon der richtige Weg. Damit erreichst Du durchaus akzeptable Genauigkeiten.

Also viel Erfolg!

Theodolite und Basislatten

Wallraff, Saturday, 11.12.2021, 14:07 (vor 293 Tagen) @ Eddi

Hallo,

dass ich die Adresse noch mal weitergeben kann...

Kenne aber die Konditionen nicht. Anfragen kostet nichts.

Grüße

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