Bestandserfassung mit GPS (Geodäsie/Vermessung)

Earthmover @, Samstag, 03.09.2011, 18:33 (vor 2514 Tagen)

Hallo,

zuerst mal kurz zu mir:
Ich bin selbstständig für mache für Tief- und Rohrbaufirmen freiberuflich die Kalkulation, Bauleitung und Abrechnung.

jetzt zum Problem:
In der letzten Zeit verlangen immer mehr Auftraggeber die Erstellung von Bestandplänen (auf Basis von Gauß-Krüger-Koordinaten) der verlegten Leitungen.

Jetzt habe ich ein größeres Projekt abzuwickeln, bei dem Fernwärmerohre verlegt werden, d.h. jeweils 2 Rohre laufen parallel.

Für den Bestandplan müssen also alle Bögen (Winkel) und Abgänge (T-Stücke) in der Lage und möglichst auch in der Höhe erfasst werden. Zwischenpunkte wären auch schön.

Jetzt zur eigentlichen Frage:
Gibt es ein System (GPS) das mir die Lage im Bereich von 10 cm genau anzeigen und ggf. als Koordinate speichern kann? Alles soll ganz einfach sein.
Meine Vorstellung: ich komme auf die Baustelle, lege das Gerät auf das verlegte Rohr, drücke einen knopf und die Werte werden projektbezogen gespeichert.

Weiterverarbeitung erfolgt manuell, durch Eintragung in die Pläne des Bauherr.

Klar laufen jetzt alle Vermesser sturm, weil ich Ihnen die Arbeit wegnehmen will. Das ist aber nicht so. Bei dem Bauablauf müssen sehr oft einzelne Punkte gemessen werden, aber nur 2 oder 3 am Tag. Welcher Vermesser will dafür schon auf eine Baustelle fahren, mal abgesehen von den Kosten.

Ich glaube, das mehrere Kollegen der Bauleiterfraktion dieses Problem kenne. Deshalb wäre es schön, hier eine Lösung zu finden.

Das alles nicht viel Kosten darf, versteht sich von selbst.

Vielen Dank an alle, die mir helfen wollen.

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Bestandserfassung mit GPS

MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Samstag, 03.09.2011, 18:45 (vor 2514 Tagen) @ Earthmover
bearbeitet von MichaeL, Sonntag, 04.09.2011, 13:40

Hallo,

Gibt es ein System (GPS) das mir die Lage im Bereich von 10 cm genau anzeigen und ggf. als Koordinate speichern kann? Alles soll ganz einfach sein.

Das sollte jedes handelsübliche GPS-Gerät hinbekommen, wenn es mit einer Referenzstation betrieben wird oder die Korrekturdaten von Referenzdiensten wie SAPOS bekommt.

Gruß Micha

--
applied-geodesy.org - OpenSource Least-Squares Adjustment Software for Geodetic Sciences

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Bestandserfassung, GPS, Leitungskataster, SAPOS

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Bestandserfassung mit GPS

philipp ⌂ @, Glinde, Samstag, 03.09.2011, 22:42 (vor 2514 Tagen) @ Earthmover

Welcher Vermesser will dafür schon auf eine Baustelle fahren [...]

Ich! :lol:

Naja, ok - es wird dann schon noch mehr gemacht oder aber die Baustelle liegt gleich um die Ecke. Aber ich habe das schon so erlebt, ehrlich...

In der letzten Zeit verlangen immer mehr Auftraggeber die Erstellung von Bestandplänen (auf Basis von Gauß-Krüger-Koordinaten) der verlegten Leitungen.

Erst "in letzter Zeit"?
Seit meinem Berufseinstieg vor ziemlich genau 5 Jahren in eben jener Branche (Straßen- und Tiefbau) läuft mir das ständig und ausdauernd über den Weg.
"Neu" dürfte eher sein, daß demnächst wohl UTM statt Gauß-Krüger erwünscht wird...

Jetzt zur eigentlichen Frage:
Gibt es ein System (GPS) das mir die Lage im Bereich von 10 cm genau anzeigen und ggf. als Koordinate speichern kann? Alles soll ganz einfach sein.

Wie Micha schon geantwortet hat:
Jedes (geodätische) GPS-Messgerät mit Korrekturdienst. Das ist auch wirklich einfach zu handhaben - nur mit einer anderen Vorgabe deinerseits könnte es sich beißen:

Das alles nicht viel Kosten darf, versteht sich von selbst.

Die Anschaffung, um mal ab und an 2-3 Punkte zu messen, dürfte eher in keinem Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen...

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Mal so ganz nebenbei gefragt:
Wer macht denn sonstige anfallende vermessungstechnische Arbeiten auf deinen Baustellen? Oder läuft das komplett ohne Vermesser ab? Heutzutage sollte man ja nicht einfach mal schnell irgendwo auf Pi-mal-Daumen Rohre "versenken" - meist gibt's da doch detaillierte Vorgaben in Lage und Tiefe, die doch dann auch abgesteckt werden müssen.
Kann der, der diese Arbeiten übernimmt (wenn dem denn so ist), nicht auch die Aufmaße übernehmen (mitsamt seiner Technik)?

Eventuell in der Zwischenzeit zwischen 2 Einsätzen dieses Mitarbeiters zugeschüttete Punkte (er steht ja sicher nicht rund um die Uhr am offenen Graben) müssen dann natürlich zuvor exzentrisch gesichert werden - z.B. per Holzpfahl (Abstand und Höhe von Pfahl zu Rohr sollten per Zollstock/Niv-Latte + Wasserwaage in genügendem Genauigkeitsmaß zu realiseren sein).

So hab ich das auch häufig gehandhabt (bzw. gehandhabt lassen vom Polier). Wenn ich dann mal wieder vor Ort war, hab ich die Pfähle aufgemessen...

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Bestandserfassung mit GPS

Earthmover @, Sonntag, 04.09.2011, 13:15 (vor 2513 Tagen) @ philipp

Hallo,

viele Dank für die schnellen Antworten.

@ Michael:
Welche Geräte sind zu empfehlen? Was kostet sowas? Ist der Aufbau einer Referenzstation nicht aufwendig? Muss da Sichtkontakt bestehen?
Ich weis, Fragen, Fragen, Fragen, aber ich habe mich nie großartig mit Vermessung beschäftigt, und suche nur ein einfaches System.
Ausserdem, mit welchen Kosten muss ich rechnen?

@ Philipp
Auch Dir erst mal Danke.
Aber ich glaube nicht, dass Du 13 Monate lang (gepl. Bauzeit) jede Woche mindestens einmal auf die Baustelle fahren willst. Und schon garnicht für 2.000,00 €.

Innerstädtischer Rohrleitungsbau ist da bischen anders. Früher hatten die Versorger ihre eigenen Messtruppe, die kamen, wenn es sein musste jeden Tag auf die Baustelle und haben 2 Punkte aufgenommen. Aber jetzt wird alles auf die Firmen abgewälzt.

Ich denke, dass es sich mit der Zeit bezahlt machen wird (wenn ... s.o.), da ich sowieso mind. 3 mal in der Woche auf der Baustelle bin und somit die Anfahrt entfällt.

Einen Vermesser auf der Baustelle gibt es nicht. Übliche Angabe ist " Grabenmitte 80 cm vor dem Bordstein, wenn es geht"
Also nix mit Absteckung etc.

Mit dem Einmass des Polier haben wir früher auch so gehandhabt. Aber da heute kein Einmesser mehr kommt ...
Nee, im Ernst, dass kann im Ausnahmefall noch sein, aber wie schon oben gesagt, dachte ich, da ich sowieso da bin, kann ich auch gleicht mit einmessen.

Für die Weiterverarbeitung denke ich im Augenblcik vielleicht über eine Zusammenarbeit mit einem Vermesser nach.

Nochmals vielen Dank für Euere Antworten

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MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Sonntag, 04.09.2011, 13:40 (vor 2513 Tagen) @ Earthmover

Hallo,

Welche Geräte sind zu empfehlen?

Wie Flip schon schrieb; eines, welches mit einem Korrekturdienst zusammenarbeitet. Der Hersteller ist hierbei wohl Geschmackssache.

Was kostet sowas?

Informiere Dich bei Leica oder Trimble über die angebotenen Lösungen und wähle eine passende aus. Je nach Umfang wird sich das im Preis niederschlagen. Ende des Monats ist InterGEO in Nürnberg. Hier stellt so ziemlich jeder Hersteller aus dem Vermessungsbereich aus, was er gerade zu bieten hat - vielleicht mal eine Option für Dich, alle möglichen Optionen abzuklopfen - von günstigen Messepreisen mal ganz zu schweigen.

Ist der Aufbau einer Referenzstation nicht aufwendig?

Ja, aus diesem Grund macht das auch idR. kein Vermessungsbüro mehr. Gerade für das Einmessen von drei, vier Leitungspunkten ist der Zeitaufwand zum Aufbau einer eigenen Referenz mMn. zu hoch. Aus diesem Grund auch der Hinweis aus SAPOS oder einen anderen Referenzdienst.

Muss da Sichtkontakt bestehen?

Zu der oder den Referenzstation(en)? Nein. Ein freier Himmel über Dir ist aber sicher von Vorteil, wenn man GPS messen möchte.

Ausserdem, mit welchen Kosten muss ich rechnen?

SAPOS bietet je nach Genauigkeit und auch nach Nutzungsdauer Preismodelle an. Auch hier kann ich Dir nur empfehlen, Dich zu informieren und Dir dann das für Dich passende auszuwählen. Sowohl Trimble als auch Leica haben afaik inzwischen ihre eigenen Referenzdienste bzw. sind Kooperationen mit SAPOS & co. eingegangen. Hier bekommst Du somit die Lösung aus einer Hand, wenn Du willst.

Gruß
Micha

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philipp ⌂ @, Glinde, Sonntag, 04.09.2011, 13:42 (vor 2513 Tagen) @ Earthmover

Welche Geräte sind zu empfehlen? Was kostet sowas?

Mein neuer Tachy (terrestrische Messung, also was anderes als GPS) kostete summa-summarum gute 25.000 Glocken.
Nun gibt's ja auch Gebrauchtgeräte - und GPS könnte billiger sein, da weniger "Klimbim" mitbestellt werden muss. Aber ohne das jetzt wirklich zu wissen würde ich mal auf eine ordentliche 4-stellige Summe tippen (aber wie gesagt: ich weiß es nicht - Preise erfährt man leider immer nur auf konkrete Anfrage bei den Händlern).

Ist der Aufbau einer Referenzstation nicht aufwendig? Muss da Sichtkontakt bestehen?

Jein und nein! ;-)
Wenn du dir selbst eine Station bauen würdest, bräuchtest du schon wieder mehr Equipment (=teurer) und einen bekannten Punkt. Das heutzutage verwendete Prozedere ist aber eh die Verwendung eines Korrekturdienstes. Das sind hunderte bekannte Stationen (von Ämtern oder Firmen betrieben), die Korrekturdaten erzeugen, welche dir (kostenpflichtig) zur Verfügung stehen (per Mobilfunk). Die Kosten liegen aber im normalen Mobilfunkbereich (monatlich, versteht sich)...

Aber ich glaube nicht, dass Du 13 Monate lang (gepl. Bauzeit) jede Woche mindestens einmal auf die Baustelle fahren willst.

Kommt immer drauf an.
Ich z.B. bin Vermesser bei einer Straßen- und Tiefbaufirma. Ich bin also quasi intern schon eingeplant für alle Baumaßnahmen und eh schon mal "anwesend". Somit darf ich dann auch solche Dinge übernehmen.
Bei Kleinstmaßnahmen ist die Frage der Wirtschaftlichkeit dann natürlich wieder gegeben - aber bei 13 Monaten Bauzeit ist das ja wohl eher keine Kleinstmaßnahme mehr...

Innerstädtischer Rohrleitungsbau ist da bischen anders. Früher hatten die Versorger ihre eigenen Messtruppe, die kamen, wenn es sein musste jeden Tag auf die Baustelle und haben 2 Punkte aufgenommen. Aber jetzt wird alles auf die Firmen abgewälzt.
Einen Vermesser auf der Baustelle gibt es nicht. Übliche Angabe ist "Grabenmitte 80 cm vor dem Bordstein, wenn es geht"
Also nix mit Absteckung etc.

DAS ist die Krux der Neuzeit!
Einerseits ansagen, man solle doch einfach das Rohr in der Grabenmitte "verklappen" (Zitat: "wenn es geht" - ganz tolle Aussage!!! - was, wenn es denn nicht geht??? :no: ), anderseits die schönsten Pläne in x-facher Ausführung im Landessystem verlangen.
DIESE Auftraggeber habe ich auch "ganz gerne". :waving:

Für die Weiterverarbeitung denke ich im Augenblcik vielleicht über eine Zusammenarbeit mit einem Vermesser nach.

Also wenn du doch selbst mit GPS hantierst kannst du auch gleich die Punkte selbst auslesen und in CAD mit Linien verbinden. DAS allerdings kostet wieder etwas (CAD-Software - das können auch mal schnell ein paar Tausend sein) und Zeit und nerven für die exakte Planerstellung.
Eigentlich zu viel für dich als Bauleiter und Kalkulator der Maßnahme. Also doch ein Vermesser dazu - dann kann der aber auch gleich selbst aufmessen, denke ich (spart dir die oben angeschnittenen Systemkosten)...

Fazit:

1. Geld für System + Software investieren (einmalig, außer Mobilfunkkosten), dazu Zeit und nerven für's bearbeiten (öfters :-D )

oder

2.
Geld für Vermesser investieren (monatlich oder pro Auftrag) und zumindest Ruhe haben vor allem anderen (Aufmaß, Gerätschaften, Auswertung, Planerstellung, etc.)

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CAD, Vermessung, GPS, SAPOS

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