UTM Koordinatensystem (Allgemeines)

Fobs, Mittwoch, 06.11.2019, 20:17 (vor 6 Tagen)

Hallo,

Ich habe ein Paar Fragen bezüglich Messungen im UTM Koordinatensystem bei denen mir der ein oder andere bestimmt weiterhelfen kann

1. Wenn ich mit einem GPS Gerät (VRS RTCM) UTM Koordinaten in der Örtlichkeit aufnehme, kann ich diese ohne Berücksichtigung von Reduktionen (Maßstab) als Planungsgrundlage benutzen?

2. Ich habe einen Bestandsplan (UTM) und möchte diesen als Planungsgrundlage benutzen. Welche Möglichkeiten habe ich diesen spannungsfrei zu bekommen um mit Maßstabsfaktor 1 planen zu können ohne automatische Korrekturen durch das Zeichenprogramm?
Reicht zum Beispiel eine Rücktransformation über die NTv2 Datei ins GK System?

3. Geliefert wird eine DFK mit Katasterfestpunkten in UTM auf die eine Bestandsvermessung gemacht werden soll und anschließend eine Planung mit mehreren Beteiligten Firmen. Um Fehler zu vermeiden soll jeder in Maßstabsfaktor 1 planen. Ist es möglich bzw. richtig die mit Spannungen behafteten Festpunkte örtlich tachymetrisch frei aufzumessen und anschließend mit der Helmerttransformation über identische Punkte der DFK mit Maßstab 1 einzupassen?

Grüße Fobs

UTM Koordinatensystem

rafl, Freitag, 08.11.2019, 09:47 (vor 5 Tagen) @ Fobs

Hallo Fobs,

da sich bisher keiner an eine Antwort getraut hat, versuche ich es mal:

Grundsätzlich vorweg zu den Begrifflichkeiten: UTM Koordinaten sind genauso wenig oder genauso stark spannungsbehaftet, wie GK-Koordinaten oder ein örtliches System. Von Spannungen spricht man, wenn in dem System inhomogene Genauigkeiten bestehen. Du meinst sicherlich das Problem mit dem teilweise relativ großen Maßstab in der UTM Abbildung.

Deine ganze Problematik hängt auch davon ab, wo dein Mess- bzw. Planungsgebiet sich befindet (Abstand vom Hauptmeridian) und wie groß es ist. Nach deinen Angaben unter Punkt 3. schätze ich mal, dass das Gebiet nicht sonderlich groß ist.

zu 1.: Wenn du mit einer GNSS Ausrüstung im UTM-System Koordinaten bestimmst, dann sind das UTM Koordinaten, die je nach Abstand vom Hauptmeridian einen mehr oder weniger großen Maßstab aufweisen. Diese Koordinaten kann man für Planungen benutzen, man plant dann aber im UTM System, welches in der Regel nicht den Maßstab 1 aufweist.

zu 2.: Die von dir beschriebene Vorgehensweise (Transformation der UTM Koordinaten über den NTv2 Ansatz ins GK System) wird meines Wissens sehr häufig angewendet, um das Maßstabsproblem bei den UTM Koordinaten zu umgehen bzw. zu verringern. GK Koordinaten haben je nach Abstand vom Hauptmeridian auch einen Maßstab ungleich 1. Der ist aber in der Regel so klein, dass er in der Praxis oft vernachlässigt wird.

zu 3.: Die Vorgehensweise ist meiner Ansicht nach so OK.

Grüße
Rafl

UTM Koordinatensystem

Eddi, Freitag, 08.11.2019, 10:46 (vor 5 Tagen) @ Fobs

Hallo,
generell ist natürlich eine ebene Abbildung der Erdoberfläche mit dem Massstabsfaktor 1 unmöglich, dass kann auch GK nicht.
Verstärkt wurde diese Tatsache durch die in meinen Augen unglückliche Wahl der UTM-Abbildung.
Die beste Lösung ist natürlich die Nutzung von Programmen, die mit diesen Massstäben umgehen können, GEOGRAF konnte das schon vor 10 Jahren perfekt.
Für ein relativ kleines Gebiet kann man sich behelsweise ein lokales ebenes System mit dem Faktor 1 schaffen, in dem man aus Festpunkten im UTM lokale Passpunkte berechnet. Dazu sind die Koordinaten eines Punktes und die Richtungswinkel beizubehalten und die Strecken auf den Faktor 1 umzurechnen. Man erhält ein lokales System im Massstab 1, dass ähnlich dem UTM-System gelagert ist und auch so aussieht (die Koordinaten).
Das Problem ist, man darf nicht vergessen, diese lokalen Koordinaten vor der Auslieferung wieder in UTM umzuwandeln, man sollte also beide Transformationsansätze griffbereit haben!

Alles weitere siehe einschlägiger Literatur!

Eddi

UTM Koordinatensystem

Fobs, Sonntag, 10.11.2019, 21:35 (vor 2 Tagen) @ Eddi

Danke erstmal für die Antworten. Wenn ich mir für die Bestandsaufnahme aus den Festpunkten im UTM lokale Passpunkte berechnen will benötige ich ja erstmal den genauen Projektmaßstab der Aufnahme um sie in Maßstab 1 (Strecken) einpassen zu können. Verstehe ich das richtig? Bzw. wäre es auch möglich wenn der Aufnahmemaßstab unbekannt ist die Bestandsaufnahme ins GK zu transformieren und anschließend mit Maßtab 1 wieder auf die Festpunkte der Aufnahme im UTM System über Helmert einzupassen wenn ich als Ergebnis eine spannungsarme Zeichnung im UTM System haben will? Alles natürlich für kleine Messgebiete

UTM Koordinatensystem

Eddi, Montag, 11.11.2019, 10:05 (vor 1 Tag, 20 Stunden, 4 Min.) @ Fobs

Hallo,
die Berechnung des Massstabes ist ja relativ simpel, Du nimmst den östlichsten und westlichsten Punkt im betreffenden Gebiet, berechnest Dir dann nach den einschlägigen Formeln (das meinte ich mit nachschauen in der Fachliteratur) den mittleren GK- Faktor für das Gebiet und der mal 0,9996 ergibt den UTM- Faktor.
Die andere Möglichkeit wäre die Berechnung aus der örtlichen Aufnahme von Passpunkten mit Faktor=1 und anschließender Helmerttransformation.
Oder beides zusammen 😉

Falls Du absolut nicht weiterkommst erreichst Du mich zur Not auch unter

etwas-vermessen@gmx.de

Eddi

UTM Koordinatensystem

rafl, Montag, 11.11.2019, 10:52 (vor 1 Tag, 19 Stunden, 16 Min.) @ Fobs

Hallo Fobs,

mach blos nicht den Fehler, dein lokales Koordinatensystem (welches den Maßsatb 1 besitzt) mit einem Maßstab 1 (d.h. nur Verschiebungen und ein Drehung) auf deine UTM Koordinaten zu transformieren. Dann hast du Koordinaten, die wie UTM Koordinaten aussehen, aber keine sind. Dann ist die Verwirrung perfekt. Wenn du schon im örtlichen System mit Maßstab 1 arbeiten willst, dann bleib da auch drin. Oder arbeite mit GK Koordinaten, wenn deren Maßstab zu vernachlässigen ist.

Grüße
Rafl

UTM Koordinatensystem

Eddi, Montag, 11.11.2019, 14:10 (vor 1 Tag, 15 Stunden, 59 Min.) @ rafl

Hallo,
ja, das stimmt natürlich!
Sicherer wäre natürlich, einem Punkt z.B. die beliebten 5000/1000 zu geben, die Richtungswinkel und Strecken (M=1) beizubehalten und dann neu zu berechnen. So sieht man auf Anhieb, in welchem Systen man gerade ist und vergisst auch die Rücktransformation nicht!

Eddi

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UTM Koordinatensystem

MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Dienstag, 12.11.2019, 08:56 (vor 21 Stunden, 13 Minuten) @ Fobs

Hi,

vielleicht noch als Ergänzung. In Sachsen-Anhalt nutzt man ein sogenanntes LTK (lokales, temporäres Koordinatensystem). Dieses ist ähnlich dem Gauß-Krüger System aber der Mittelmeridian wird in die Mitte des Messgebiets gelegt, sodass praktisch keine Verzerrungen auftreten. Dies halte ich für die optimale Lösung, wenn Du zunächst ohne Maßstab arbeiten willst, später aber in UTM Abbilden möchtest. Weitere Infos findest Du beim Landesvermessungsamt SA.

Viele Grüße
Micha

--
applied-geodesy.org - OpenSource Least-Squares Adjustment Software for Geodetic Sciences

Tags:
Gauß-Krüger, UTM, Koordinaten, LTK, Sachsen-Anhalt

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FOHA, Dienstag, 12.11.2019, 18:56 (vor 11 Stunden, 13 Minuten) @ MichaeL

Wenn ich den UTM Maßstab berechnet habe für die Überführung ins lokale System benötige ich ja trotzdem Passpunkte für Transformation die ich ja normalerweise über die ötrtliche Aufnahme bekomme. Die Zeichnung kann ja nicht einfach um den Faktor skaliert werden oder?

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MichaeL ⌂, Bad Vilbel, Dienstag, 12.11.2019, 22:07 (vor 8 Stunden, 2 Minuten) @ FOHA

Hallo,

Deine Punkte, die Du in UTM vorliegen hast, genügen. Diese sind automatisch in beiden Systemen definiert. Du musst also keine Passpunkte im klassischen Sinne vorgeben oder bereitstellen. Weitere Infos und insb. Gleichungen für die Berechnung der LTKs findest Du beim Landesvermessungsamt Sachsen-Anhalt.

Viele Grüße
Micha

--
applied-geodesy.org - OpenSource Least-Squares Adjustment Software for Geodetic Sciences

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