UTM - Welcher Maßstab bei Absteckung? (Geodäsie/Vermessung)

TomegooH, Friday, 10.02.2012, 16:14 (vor 4017 Tagen) @ manu

nein das waere nicht richtig.

wenn deine Seitenlaenge nach UTM Koordinaten 100m ist musst du natuerlich den Faktor 1,000 benutzen um die 100m Seitenlaenge in Natur zu erhalten.

ABER wie Michael richtig erwaehnte: Eine Strecke die nach UTM Koordinaten berechnet (Phythagoras) 100m lang ist - ist definitiv in Natur keine 100m.

Du musst folgendes Unterscheiden.
1. Der Masstab mit dem dein Standpunkt berechnet wird
(haengt von der Methode/Software deines Geraetes ab)
und
2. Der Masstab mit dem du spaeter Punkte absteckst.

Dieser muss nicht automatisch der gleiche sein.

Das Problem besteht darin dass dein Standpunkt mit einem Masstab behaftet ist, die Absteckung ( wenn du genau 100m haben willst ) aber nicht. Liegt z.B. eine Hausecke genau an einer anderen bestehenden Hausecke wirst du mit dieser Methode nicht auf den gleichen Punkt abstecken, sondern eine kleine Abweichung haben. Diese Groesse dieser Abweichung haengt davon ab wie weit du von diesem Punkt mit deinem Messgeraet entfernt bist. Da diese strecke mit dem Masstab 1,000 abgesteckt wird, richtigerweise um auf den gleichen Punkt zu kommen aber mit dem ermittelten Masstabsfaktor abgesteckt werden muesste.

Eine exakte Loesung deines Problems ist mit einer einfachen Masstabsaenderung so nicht loesbar.

Der richtige Weg beginnt schon bei der Konstruktion des Gebaeudes. Bei z.B. einem Gebaeude das spaeter genau die exakten Masse wie in Natur haben soll:

1. Ausgangskoordinaten (z.B. UTM von Topo, Gebaeuden, Grenzen usw.) in Naturkoordinaten transformieren.

2. Neues Gebaeude konstruieren.

3. Naturkoordinaten zuruecktransformieren in UTM.

4. Bei Standpunktbestimmung sowie Absteckung den entsprechenden UTM Faktor benutzen.

Punkt 1-3 erledigt moderne CAD Software automatisch (wenn man sie richtig bedient)

Punkt 4 wird im Messgeraet eingestellt.

Bei dieser vorgehensweise wird dein Gebaude exakt dort und mit den Dimensionen landen wo es sein soll.

Leider benutzen Planer entweder aus Unkenntnis des Problems (bei Gauss-Krueger Koordinaten war das Problem in der Groesse nicht vorhanden) oder weil es schlichtweg einfacher ist, direkt die UTM Koordinaten eines Projektes (z.B. Topo, Grenzen usw.). Bei einem herkoemmlichen Gebaeude kann man moeglicherweise mit einer einfachen Masstabsanpassung bei der Absteckung herumhantieren um die notwendige Genauigkeit zu erreichen.

Bei Praezisionsabsteckungen die exakt mit einem bestehenden Bestand zusammenpassen muessen ist es schlichtweg ein Planungsfehler. Saemtliche Massangaben in solchen Plaenen sind definitiv mit dem Masstabsfaktor des Koordinatensystems behaftet und folglich nicht richtig.

Gruesse
Thomas


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion