Nivellement in geneigtem Gelände (Geodäsie/Vermessung)

rafl, Samstag, 17.02.2018, 22:41 (vor 271 Tagen) @ derMoeller

Kommt auch ein bisschen drauf an welche Möglichkeiten du hast. Beim RVVR-Verfahren bräuchtest du Wendelatten oder Frösche mit zwei Zapfen.

Das ist falsch. Man kann auch mit normalen Fröschen mit einem Zapfen und Latten mit nur einer Teilung ein RVVR-Nivellement durchführen. Dann sollte als Kontrolle auf jedem Standpunkt halt herauskommen, dass R1-V1 = R2-V2 ist.

Das Verfahren RVVR soll eigentlich hauptsächlich dazu dienen, Einsinkeffekte zu minimieren. Nebenbei habe ich natürlich auch noch eine Kontrolle meiner Ablesungen und eine leichte Genauigkeitssteigerung durch die Doppelmessung. Dadurch, dass die Messungen stark korreliert sind, kann man natürlich nicht alle möglichen Fehler aufdecken (z.B. wenn die Latte nicht richtig aufgesetzt wird).

Was soll denn ein Doppel Niv RV sein?
Ein Niv mit einem Frosch mit zwei Zapfen oder ein Nivellement mit einem normalen Frosch im Hin- und Rückweg? Bei hohen Genauigkeitsforderungen würde ich immer Hin- und Rückweg messen.

Bei der Genauigkeitsanforderung würde ich immer RVVR machen. Du hast eine direkte Kontrolle und kannst jeden Wechselpunkt für sich mitteln. Beim Doppel Niv RV hast du nur am Schluß eine Kontrolle, aber auch nur dann wenn der Endpunkt bereits bekannt ist. Solltest du ein Nivellement ohne bekannten Abschlußpunkt machen müssen, hast du nur beim RVVR Verfahren eine abgesicherte gute Kontrolle.

Bei dem Nivellement mit zwei Zapfen habe ich auch ohne bekannten Endpunkt am Schluss eine Kontrolle. Der Höhenunterschied über den niedrigeren Zapfen muss gleich dem Höhenunterschied über den höheren Zapfen sein.


Zum Schluß: Mir erschließt sich sogar nicht warum im "geneigten Gelände" ein Doppel-RV besser sein soll als ein RVVR. Vielleicht kann da mal jemand von den was schlaues zu sagen.

Prinzipiell gibt es keine Unterschiede zwischen Nivellement im ebenen und geneigten Gelände. In steilerem Gelände habe ich i.d.R. mehr Standpunkte, da meine Zielweiten kürzer sind. Das spricht eher für die Methode RVVR, um die Einsinkeffekte pro Standpunkt zu minimieren. Im steileren Gelände habe ich größere Höhenunterschiede und muss daher mehr Sorgfalt auf meinen Lattenmaßstab legen, da der sich proportional zum Höhenunterschied auswirkt. Das hat aber nichts mit dem Messverfahren zu tun.

Da bei den heutzutage verwendeten Digitalnivellieren die Messungen deutlich schneller gehen als bei den analogen Nivellieren, ist das Problem mit den Einsinkeffekten nicht mehr so groß. Ich messe daher immer nur RV (weil es deutlich schneller geht und ich nur eine Latte (und nur einen Messgehilfen) brauche), dafür aber im Hin- und Rückweg. Der Hin- und Rückweg ist deshalb wichtig, weil dadurch auch noch andere Effekte herausfallen bzw. reduziert werden.

Rafl


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion