UTM Streckenmessung mit der Totalstation (Geodäsie/Vermessung)

Uli_, Mittwoch, 22.07.2020, 10:38 (vor 23 Tagen)

Hallo liebe Geodäten,

als fortgeschrittener Anfänger im Umgang mit einer Totalstation stehe ich gerade vor einer Frage auf die ich selbst mit ausgedehnter Recherche keine Antwort finden konnte und hoffe hier den richtigen Hinweis zu bekommen von jemandem, der etwas mehr Praxiserfahrung besitzt. Es geht um die Frage, wie ich beim Messen mit der Totalstation die UTM-Streckenreduzierung anbringen kann. Doch zunächst ein paar Infos zu meinem Setup:

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Ich verwende eine Topcon GPT-8200A Robotik Totalstation mit einem Topcon FC-200 Feldrechner. Darauf läuft die letzte Version der Vermessungssoftware TopSURF (8.2.3). Weiter verwende ich einen GNSS-Rover, welcher seine Korrekturdaten über SAPOS bezieht und mir somit UTM Koordinaten auf Basis ETRS89 liefert.

Jedem TopSURF-Projekt lässt sich ein Koordinatensystem (Abbildung/Datum) zu Grunde legen. Zusätzlich gibt es die Option "Nutze Streckenreduktion".

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Wird diese Option aktiviert, lässt sich ein individueller, für meinen Ort errechneter Maßstabsfaktor anbringen. So weit so klar. Um den Effekt gut sichtbar zu machen verwende ich nun beispielhaft einen völlig utopischen Faktor von 0,5:

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Meine Erwartung ist nun, dass die gemessenen Strecken um eben diesen Faktor reduziert werden und die Koordinaten eines neuen Punkts entsprechend angepasst werden. Wenn ich mir die Koordinaten neuer Punkte ansehe, stelle ich jedoch fest, dass diese mit der natürlichen gemessenen Stecke berechnet wurden, die Streckenreduktion bleibt unberücksichtigt.

Beispiel ohne Streckenreduktion: Ich stationiere die Totalstation auf dem Koordinatenursprung 0, 0 mit Azimut 0 (Punkt Nr. 1) und nehme einen Punkt genau 100 Meter nördlich auf (Punkt Nr. 2). Erwartungsgemäß errechnet mir TopSURV nun die Koordinaten von Punkt 2 mit 0, 100:

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Beispiel mit Streckenreduktion: Nun aktiviere ich die Streckenreduktion mit dem Faktor 0,5 und nehme wieder Punkt Nr. 2 auf, welcher sich weiterhin genau 100 Meter nördlich befindet. Ich erwarte, dass nun die Koordinaten von Punkt Nr. 2 mit 0, 50 berechnet werden. Tatsächlich sieht das Ergebnis jedoch folgendermaßen aus:

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Es wurde also die natürliche Strecke ohne Reduktionsfaktor verwendet um die Koordinaten von Punkt 2 zu berechnen.

Eigentlich beginnt das Problem ja nicht erst bei der Punktaufnahme, sondern davor schon bei der Stationierung der Totalstation. Um eine frei Stationierung durchzuführen, nehme ich unterschiedliche Punkte auf, deren Koordinaten vom GNSS Rover als UTM Koordinaten geliefert werden.

Nun stellt sich für mich also die Frage:

Wie erreiche ich, dass die reduzierte Strecke zur Berechnung von Koordinaten verwendet wird?

Die einzige Lösung, welche mir dazu einfällt, wäre die Einstellung der atmosphärischen Korrektur in der Totalstation selbst zu "missbrauchen" um den gewünschten Reduktionsfaktor an die Streckenmessung anzubringen. Allerdings bezweifle ich, dass dies ein übliches Vorgehen wäre, hier fehlt mir einfach die Praxiserfahrung. Vielmehr vermute ich, dass ich irgend etwas anderes übersehen habe und wäre für einen Tipp äußerst dankbar.

Uli


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